Alter Nördlicher Friedhof
7. Oktober 2010: Führung über den Alten Nördlichen Friedhof 

Die Ruhe auf dem Alten Nördlichen Friedhof in München-Schwabing, längst eine jederzeit zugängliche Parkanlage, lädt heute vielfach Studenten ein, ihre Seminare vorzubereiten, zu diskutieren oder zu faulenzen. Die Einladung des MBV zu einer Führung im Friedhof der Maxvorstadt erhielt mit knapp 60 Teilnehmern sehr viel Zuspruch und Friedhofsführerin Christa Bühl brachte dem interessierten Publikum neben viel Historie auch das Leben der hier bestatteten Persönlichkeiten im Rahmen von vielen Anekdoten näher. Es handelt sich hier in Schwabing um einen nicht so ganz „prominenten" Friedhof, der einmal als Begräbnisplatz zur Entlastung des jetzigen Alten Südlichen Friedhofes nach Plänen des Architekten Arnold von Zenetti angelegt wurde. 1866 bis 1868 wuchs die Bevölkerungszahl Münchens aufgrund der Großstadtentwicklung stark an. 

Am 5. Oktober 1869 wurde der Friedhof von Erzbischof von Scherr eingeweiht und am Abend mit dem Stadtpfarrer von Sankt Ludwig bereits der erste Verstorbene beigesetzt. Der Friedhof war damit seiner Bestimmung übergeben. Bis zum Jahre 1939 fanden hier 62.000 Beerdigungen statt, im Sommer 1939 wurde die Einstellung des Beerdigungsbetriebes bekannt gegeben. Die Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges haben auch diesen Friedhof nicht verschont. Nach dem Krieg erfolgten Aufräumungsarbeiten, in den späten 50er- und 60er-Jahren wurden viele beschädigte und nicht mehr gepflegte Gräber abgeräumt. Die später gebildete Gräberkommission stellte sich schützend gegen weitere Beseitigungen. Heute sind am Alten Nördlichen Friedhof noch rund 500 Grabstätten erkennbar.

Der Personenkreis, der auf diesem Friedhof liegt, ist vielschichtig: Universitätsprofessoren und Offiziere, Künstler und Erfinder, Musiker und normale Bürger. Hier präsentiert sich ein Kapitel Münchner Kulturgeschichte mit reichen Schätzen. Georg Krauss  (1826-1906) war der Gründer der Lokomotivfabrik Krauss (heute Krauss-Maffei). Wilhelm Bauer (1822-1875), der U-Boot-Erfinder, ruht ebenfalls hier. Dr. Ing. Heinrich Gerber (1832-1912) war königlicher Oberbaurat und ehemaliger Direktor der Cramer-Klettschen Fabrik. 1856 wurde er mit der Ausführung der inzwischen erneuerten Großhesseloher Eisenbahnbrücke beauftragt - damals eine technische Großtat. Dr. Wilhelm Ritter von Gümbel (1823-1898) war gebürtiger Pfälzer und Geologe. Als Kartograph arbeitete er mit einem in der Mitte des vorletzten Jahrhunderts bis dahin unbekannten Genauigkeitsgrad. Er setzte sich für die Münchner Wasserversorgung aus den Mangfallquellen ein. Carl August Lebschée (1800-1877) sei als Vertreter der Künstler genannt, er war Maler und Schilderer Altmünchens und Bayerns.

 
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